Der Handwerker berechnet plötzlich eine bestimmte Mehrarbeit, ohne dass er mich vorher darüber informiert hat. Ist das erlaubt?

 

Nein, eine Abrechnung über Mehrarbeit darf nicht geschehen. Die Rechnung darf nur das enthalten, was Sie vorher in Auftrag gegeben haben. Entstehen dem Handwerker während der Arbeit plötzlich Mehraufwendungen, beispielsweise weil er einen neuen, bislang unbekannten Fehler entdeckt hat, so muss er Sie umgehend darüber informieren. Er muss Ihnen mitteilen, welche weiteren Kosten Ihnen durch diesen Mehraufwand entstehen. Sie haben das Recht das zu akzeptieren oder abzulehnen. Ungefragt darf der Handwerker zwar arbeiten, aber keine Rechnungen über diese Tätigkeiten schreiben.

 

Der Handwerker verlangt von mir, dass ich die Rechnung sofort vor Ort in bar bezahle. Muss ich das hinnehmen?

 

Nein, der Handwerker darf Sie nicht unter Druck setzen und Sie zur Bezahlung in bar vor Ort in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus zwingen. Sie haben das Recht, eine Rechnung zu erhalten und diese zu überweisen. Schließlich müssen Sie die Gelegenheit bekommen, die Rechnung genau zu überprüfen und evtl. falsche Abrechnungsposten ausfindig zu machen. Das ist nicht möglich, wenn Sie direkt im Anschluss an die Reparaturarbeiten die Rechnung in bar bezahlen sollen. Doch genau das möchten manche dubiose Handwerker ausnutzen, wenn sie Sie dazu auffordern, sofort im Anschluss an die Arbeiten die Rechnung bar zu bezahlen. Selbst ein Hinweis in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ("AGBs", das "Kleingedruckte"), dass Rechnungen sofort in bar zu begleichen sind, ist wirkungslos und nichtig.

 

Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn Sie vor Ausführung der Reparaturarbeiten die Bezahlung in bar ausdrücklich mit dem Handwerker vereinbart haben und Sie mit dieser Vereinbarung einverstanden sind. Im deutschen Recht gilt grundsätzlich die Vertragsfreiheit, das heißt, der Inhalt von Verträgen kann zwischen den Vertragsparteien frei verhandelt werden. Dazu gehört auch die Bezahlweise.

 

Eine Überweisung ist zudem aus steuerlichen Gründen vorzugswürdig. Im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung können Sie Handwerkerleistungen im eigenen Haushalt steuerlich geltend machen. Die bezahlten Lohnkosten des Handwerkers bzw. Monteurs mindern unmittelbar die von Ihnen zu zahlende Steuerschuld. Das funktioniert aber nur dann, wenn die Handwerkerrechnung bzw. Monteursrechnung überwiesen wurde. Das Finanzamt verlangt die Vorlage der Rechnung und einen Kontoauszug als Beweis für die Bezahlung. Bei einer Barzahlung entfällt die steuerliche Abzugsmöglichkeit.

 

Darf der Handwerker bei der Abrechnung angefangene Stunden auf volle Stunden aufrunden und mir in Rechnung stellen?

 

Nein, das darf der Handwerker nicht. Zwar kommt es oftmals vor, dass Handwerksbetriebe bei der Abrechnung jede angefangene Stunde, auch wenn nur wenige Minuten vergangen sind, auf eine volle Stunde oder zumindest auf eine halbe Stunde aufrunden. Diese Vorgehensweise ist nicht erlaubt und wurde bereits gerichtlich untersagt. Erlaubt ist lediglich eine geringe Aufrundung auf beispielsweise volle fünf Minuten.

 

Es empfiehlt sich, zu Beginn der Handwerksarbeiten und am Ende einmal auf die Uhr zu sehen, um zu überprüfen wie lange der Handwerker tatsächlich gearbeitet hat.

 

Dürfen Pausen als Arbeitszeit berechnet werden?

 

Nein, Pausen darf Ihnen der Handwerker nicht in Rechnung stellen. Eine Abrechnung ist lediglich über die tatsächlich erbrachte Arbeitszeit möglich. Ansonsten könnte der Handwerker beliebig lange Pausen machen und Ihnen diese in Rechnung stellen. Das ist natürlich nicht erlaubt.

 

Muss ich kaputtes Werkzeug bezahlen, das der Handwerker selbst kaputt gemacht hat?

 

Nein, selbstverständlich müssen Sie Werkzeug und Maschinen, die ein Handwerker bei Reparaturarbeiten zerstört oder beschädigt hat, nicht selbst bezahlen. Zwar versuchen das manche Handwerker immer wieder und setzen diese Posten auf die Abrechnung, bezahlen müssen Sie das aber auf keinen Fall. Der Handwerker als Auftragnehmer ist selbst dafür verantwortlich, was mit den von ihm benutzen Geräten und Maschinen passiert. Lassen Sie diese Posten auf der Handwerkerrechnung einfach weg. Es ist unberechtigt, derartiges in Rechnung zu stellen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn Sie selbst für die Beschädigung verantwortlich sind. Dann müssen Sie das kaputte Werkzeug dem Handwerker ersetzen. Derartiges kommt jedoch eher selten vor.

 

Dürfen auf der Handwerkerrechnung "Fahrzeugkosten" auftauchen?

 

Fahrzeugkosten dürfen als Pauschale auf der Abrechnung geltend gemacht werden. Das sind Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt der PKWs und evtl. LKWs des Handwerkerbetriebes. Diese sind von den Fahrt- oder Wegekosten zu unterscheiden, die ebenfalls auf der Rechnung stehen können. Zwar haben die Fahrzeugkosten nichts mit dem konkreten Auftrag zu tun, es wurde jedoch bereits gerichtlich entschieden, dass diese Kosten beim Kunden abgerechnet werden dürfen.

 

Grundsätzlich sollte es ein Handwerksbetrieb vermeiden, derartige Kosten auf die Rechnung zu setzen. Es ist sinnvoller, diese über die Stundensätze zu verrechnen. Setzt der von Ihnen beauftragte Handwerksbetrieb dennoch eine Fahrzeugkostenpauschale auf die Rechnung, so versuchen Sie über die Streichung dieses Rechnungspostens zu verhandeln.

 

Wie hoch dürfen Fahrtzeiten und Wegekosten auf der Rechnung angesetzt werden?

 

Üblich ist es, für Fahrt- und Wegekosten einen um zehn Prozent niedrigeren Betrag als für eine normale Arbeitsstunde anzusetzen. Akzeptieren Sie die Rechnung nicht, wenn die Kosten für die Fahrt genauso hoch sind wie für die normale Arbeitszeit. Lassen Sie es in einem derartigen Fall aber besser nicht auf einen Gerichtsprozess ankommen, da die Gerichte hier noch immer sehr unterschiedlich entscheiden. Ein seriöser Handwerksbetrieb sollte in der Regel nicht mehr als 15 Minuten Fahrtzeit für eine einzelne Fahrt auf die Rechnung schreiben.

 

Wie hoch dürfen pauschale Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeiten auf der Rechnung sein?

 

Grundsätzlich darf der Handwerker einen Zuschlag auf die Rechnung erheben, wenn Sie ihn nachts oder am Wochenende beauftragt haben. Diese Zuschläge sollten allerdings 50 bis 70 % des Rechnungsbetrages nicht überschreiten, höhere Beträge sind branchenunüblich. Wichtig ist zu wissen, dass diese Zuschläge nur auf die Arbeitszeiten und auf die Fahrtzeiten gemacht werden dürfen. Ein Zuschlag auf das Material ist nicht erlaubt. Legt Ihnen der Handwerker dennoch eine derartige Abrechnung vor, so müssen Sie diese nicht akzeptieren.

 

 

Was ist, wenn die Rechnung unverständlich ist bzw. Begriffe enthält, die ich als technischer Laie nicht verstehe?

 

Eine Rechnung muss fehlerfrei und verständlich sein. Natürlich ist es bei Handwerkerrechnungen so, dass viele Begriffe und Tätigkeiten aus der Handwerker-Fachsprache stammen. In diesen Fällen haben Sie einen Anspruch auf Erläuterung, was genau mit diesen Fachbegriffen gemeint ist. Der Handwerksbetrieb darf hinter unbekannten Begriffen keine überhöhten Abrechnungspositionen verstecken. Überweisen Sie in einem solchen Fall lediglich einen Teilbetrag der Rechnung und halten Sie den restlichen Betrag bis zur Klärung zurück. Viele Rechnungsposten müssen in den abgerechneten Stundensätzen bereits enthalten sein, so dass Positionen wie beispielsweise "Verwaltungsaufwand", "Schreibgebühren" oder "Personalkostenpauschale" nicht extra in Rechnung gestellt werden dürfen. Verlangt Ihr Handwerker das, so streichen Sie diese Rechnungsposten einfach.

 

Ab wann gerate ich bei Nichtzahlung der Handwerkerrechnung in Zahlungsverzug?

 

Nach Abschluss der Reparaturarbeiten müssen Sie eine ordnungsgemäße und fehlerfreie Rechnung erhalten. Zahlen Sie nicht, so geraten Sie erst dann in Zahlungsverzug, nachdem Sie der Handwerksbetrieb zur Zahlung gemahnt hat. Ab diesem Zeitpunkt sind Sie verpflichtet, die Kosten des Verzugs zu bezahlen. Das sind Zinsen, weitere Mahngebühren, Inkassogebühren und Rechtsanwaltsgebühren. Befindet sich auf der Rechnung bereits ein Hinweis, dass Sie bei Nichtzahlung automatisch nach 30 Tagen in Verzug geraten, so ist keine gesonderte Mahnung notwendig. Ist die Rechnung jedoch nicht korrekt bzw. fehlerhaft, so geraten Sie selbstverständlich überhaupt nicht in Verzug. Um einen evtl. Verzug zu vermeiden sollten Sie daher die Handwerkerrechnung möglichst umgehend nach Erhalt überprüfen.

 

Was ist generell zu tun, wenn mir der Handwerker eine in meinen Augen fehlerhafte Rechnung vorlegt?

 

Ist eine Rechnung aus Ihrer Sicht nicht in Ordnung, so müssen Sie diese nicht bezahlen. Erheben Sie in einem solchen Fall schriftlich per Einschreiben mit Rückschein oder per Fax mit Faxprotokoll (Sendebericht) Widerspruch gegen die Rechnung. Setzen Sie dem Handwerksbetrieb eine Frist von 14 Tagen und verlangen Sie die Ausstellung einer korrekten Rechnung bzw. bitten Sie um Aufklärung über die streitigen oder unverständlichen Abrechnungsposten. Als Kunde haben Sie einen Anspruch auf eine ordnungsgemäße und fehlerfreie Rechnung. Erst nachdem Sie diese erhalten haben, sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Vorher sind Sie zu keiner Zahlung verpflichtet und können auch nicht in Verzug geraten. Entscheidend ist Ihre Sicht als Kunde. Es kommt nicht darauf an, ob der Handwerker seine Rechnung versteht oder nicht. Sie als technischer Laie müssen die Rechnungsposten verstehen können. Niemand kann von Ihnen verlangen, dass Sie etwas bezahlen, was in Ihren Augen nicht korrekt ist. Die Handwerksfirma muss sich also bemühen, Ihnen die Rechnung zu erklären oder aber zu korrigieren. Gelingt es Ihnen nicht, innerhalb der gesetzten Frist eine Einigung zu erzielen, so lassen Sie die Rechnung gerichtlich überprüfen. Sollten Sie zumindest einen Teil der Rechnung als korrekt ansehen, so zahlen Sie lediglich diesen Teilbetrag und erheben nur gegen den inkorrekten Teil einen Widerspruch.