Ein Jeder kennt das: Das Treppenhaus müsste wieder einmal gestrichen werden, der Terrassenbelag ist brüchig oder eine Renovierung des Badezimmers steht auf der Wunschliste. Viele Menschen stellen sich dann die Frage, ob sie bestimmte Leistungen rund um Haus und Garten selbst erledigen oder einen entsprechenden Handwerker oder Dienstleister beauftragen sollen. Die immer noch relativ unbekannte Möglichkeit, Handwerkerrechnungen bei der Einkommensteuererklärung anzugeben und damit die persönliche Steuerlast zu senken, könnte die Entscheidung erleichtern. So geht es dabei nicht nur um kleine Eurobeträge, pro Jahr lassen sich je nach Höhe der Rechnungen auch größere Summen sparen. Bei einer Anrechnung der Handwerkerleistungen auf die persönliche Steuerbelastung gilt es allerdings, einige grundlegende Bedingungen hinsichtlich der Abzugsfähigkeit zu beachten. Wichtig zu wissen ist zunächst, dass die Kosten für Handwerker nicht dazu dienen, das zu versteuernde Einkommen niedriger erscheinen zu lassen. Der persönliche Steuersatz sinkt also nicht. Vielmehr handelt es sich hier um eine Steuerermäßigung, die unter bestimmten Voraussetzungen genutzt werden kann.

 

Bezahlung von Handwerkern: nur gegen Rechnung

Zum Abschluss der Arbeiten heißt es dann leider noch immer zu oft: “Mit oder ohne Rechnung?”. Die Antwort sollte hier immer “ mit Rechnung” lauten. Diese Vorgehensweise bietet gleich zwei Vorteile. Zum einen ist es so bei eventuell fehlerhaft ausgeführten Arbeiten einfacher, später zu reklamieren und eine Fehlerbehebung zu verlangen. Zum anderen besteht die Möglichkeit, Handwerkerleistungen steuerlich geltend zu machen, ausschließlich dann, wenn dem Finanzamt eine Rechnung vorgelegt werden kann. Wichtig ist dabei, dass der Handwerksbetrieb die Rechnung korrekt ausstellt. So sollten Lohnkosten, Maschinenkosten und Fahrtkosten separat aufgeführt sein, weil diese im Gegensatz zu Materialkosten abzugsfähig sind. Lässt man sich also eine neue Heizungsanlage einbauen, kann man die Therme nicht absetzen, die Lohnkosten für Monteure und Arbeiter, deren Anfahrtskosten sowie einfache Verbrauchsmaterialien wie Klebeband aber sehr wohl.

 

Obergrenze und Voraussetzungen

Maximal lassen sich so pro Jahr bis zu 1200 Euro bei der Einkommensteuererklärung ansetzen. Wichtig ist, dass die Arbeiten auf dem eigenen Grundstück, im eigenen Haus oder der selbstgenutzten Wohnung ausgeführt werden. Ist man also zum Beispiel Vermieter und lässt eine vermietete Wohnung renovieren, sind die so entstandenen Kosten nicht abzugsfähig. Es ist also auch wichtig, dass man den Handwerksbetrieb als Privatperson beauftragt. Die offiziellen Regelungen, was gefördert wird und was nicht, lassen – wie so oft – einen Interpretationsspielraum. Der Staat versucht, mit dieser Maßnahme die Renovierung, Verschönerung und Wiederherstellung von Wohnraum sowie die Einrichtung oder Reparatur von Haushalts- und Elektrogeräten zu fördern. Darunter fällt zum Beispiel auch die alljährliche Wartung der Heizungsanlage sowie die Kosten für den Schornsteinfeger. Nicht absetzen kann man dagegen die Schaffung neuer Nutz- oder Wohnflächen. Baut man also seinen eigenen Dachboden zum Wohnraum aus, wird das nicht gefördert. Lässt man das bestehende Dachzimmer neu streichen, darf man die Kosten dafür bei der Einkommensteuererklärung angeben. Generell nicht absetzbar sind Gutachter- oder Entsorgungskosten, außer diese fallen bei Umbau oder Modernisierung an.

 

Begleichung der Rechnung immer per Überweisung

Auch wenn es viele Handwerker bevorzugen, darf man Rechnungen, die man bei der Einkommensteuererklärung angeben will, nicht bar bezahlen. Nur eine per Überweisung beglichene Rechnung ist abzugsfähig. Man sollte sich also auch bei Kleinbeträgen nicht zur Barzahlung überreden oder gar drängen lassen. Das Finanzamt darf sowohl die Rechnung als auch den Überweisungsbeleg anfordern und die Anerkennung ablehnen, sofern man sie nicht korrekt vorlegen kann. Vom gezahlten Lohn kann man zwanzig Prozent inklusive der Mehrwertsteuer bei der Steuererklärung angeben. Aus der Höchstgrenze von 6000 Euro pro Steuerjahr ergibt sich die schon vorher genannte Anerkennungsgrenze von 1200 Euro. Diese Regelung ergibt sich aus §35a des Einkommensteuergesetzes.

In der Regel ist es sinnvoll, mit dem Handwerksunternehmen schon vorab zu klären, dass man eine Rechnung mit entsprechend gesonderter Ausweisung der abzugsfähigen Kosten haben möchte. Immer mehr Handwerksunternehmen stellen eine solche zwar schon standardmäßig aus, ein weiterer Hinweis schadet jedoch nicht. Hat man die Rechnung erhalten, sollte man die Einhaltung der Abmachung dann vor der Bezahlung auch prüfen. Ist der Handwerker nicht in der Lage, eine betragsgenaue Aufgliederung vorzunehmen, kann diese auch prozentual erfolgen – allerdings nur in einem realistischen Rahmen. Es ist außerdem wichtig, Rechnungen gut sortiert aufzubewahren. So lässt sich unter anderem bei Aufträgen am Jahresende überprüfen, ob man das jeweilige Limit schon ausgeschöpft hat. Ist das der Fall, kann man versuchen, mit dem Handwerksbetrieb eine Rechnungsstellung im Folgejahr zu vereinbaren. Möglich ist auch eine Teilzahlung im neuen Jahr. Wichtig für die Steuererklärung ist nicht das Datum der Rechnung, sondern der Zeitpunkt der Zahlung.

Ein Detail wird oft nicht beachtet: Abzugsfähige Lohnkosten können nur in den eigenen vier Wänden entstehen. Baut ein Handwerker zum Beispiel den Elektroherd aus, nimmt ihn mit in die eigene Werkstatt und repariert ihn dort, können die dort entstandenen Lohnkosten nicht angesetzt werden. Daher schadet es nicht, wenn die handwerklichen Leistungen auf der Rechnung im Zweifelsfall sehr genau aufgeführt sind – am besten unter Angabe von Ort und Zeit. Diese Praxis der Finanzämter wurde in einem Urteil des Finanzgerichtes München vom 14. Juli 2009 (Az. 13 K 55/08) bestätigt.

 

Korrektes Ausfüllen des Steuerformulars

Jede aktuelle Steuersoftware ist in der Lage, enstandende Handwerkerkosten korrekt zu erfassen. Füllt man das Steuerformular manuell aus, gibt man den kummulierten Betrag inklusive der Mehrwertsteuer auf der entsprechenden Seite des Formulars an.

 

Was wird anerkannt?

Was anerkannt wird, ist wie so oft im Steuerrecht gar nicht so einfach zu beantworten. Häufig treffen die einzelnen Finanzämter unterschiedliche Entscheidungen und manchmal hilft nur der Weg über einen Anwalt, wenn man der Meinung ist, die angesetzten Kosten seien nicht korrekt verrechnet worden. Trotzdem gibt es einige Faustregeln, die Orientierung bieten.

In erster Linie werden Lohnkosten anerkannt. Diese Regelung bezieht sich nicht nur auf Handwerker, sondern auch auf andere Dienstleister rund um Haus, Wohnung und Garten. Fährt man zum Beispiel in den Urlaub und beauftragt einen Tiersitter mit der Verpflegung der Haustiere, sind dessen Lohnkosten – im Gegensatz zum benötigten Futter – abzugsfähig. Über diese Kombination mit den sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen lässt sich der gesamte Betrag steigern, den man bei der Einkommensteuererklärung angeben kann. Neben den Lohnkosten sind Fahrt-, Geräte- sowie Verbrauchsmaterialkosten abzugsfähig. Für die Arbeit notwendige Materialkosten wie Farbe, Pflastersteine oder Holzlatten sind dagegen nicht abzugsfähig.

 

Beispiele für anerkannte Handwerkerrechnungen bei der Einkommensteuereerklärung:

Nachfolgend werden einige Arbeiten beispielhaft genannt, die in der Regel abzugsfähig sind:

  • Pflasterarbeiten
  • Dachreparatur/Arbeiten am Blitzableiter
  • Fassadenarbeiten
  • Heizungswartung
  • Schornsteinfeger
  • Arbeiten an Fenstern und Türen
  • Malerarbeiten
  • Bodenarbeiten
  • Arbeiten in Küche und Bad

Leistungen im Garten lassen sich in der Regel absetzen. Hier erweist es sich als Vorteil, dass die Grenze zwischen Handwerkerkosten und haushaltsnaher Dienstleistung eher fließend zu betrachten ist. Hat man also in einem Bereich das Limit schon ausgeschöpft, kann man die übrigen entstandenen Kosten vielleicht im anderen Bereich angeben. Beschäftigt man eine Putzhilfe, lassen sich diese Kosten ebenfalls als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen. Bei Gartenarbeiten gelten außerdem häufig auch solche Arbeiten als abzugsfähig, bei denen neue Elemente hinzugefügt werden. Dies könnte zum Beispiel die Errichtung eines Zauns sein. Einschlägige Gerichtsurteile dazu gibt es unter anderem beim Bundesfinanzhof.

Eine allerdings rechtlich nicht verbindliche Auflistung der entsprechenden Handwerksleistungen ist beim Bundesfinanzministerium verfügbar. Wenn es um die Reparatur von Haushaltsgeräten geht, gilt die Faustregel: Alles, was sich per Hausratversicherung absichern lässt, ist auch abzugsfähig.

 

Situation für Vermieter

Wie oben angesprochen, dürfen Handwerkerkosten für vermietete Objekte nicht als Handwerkerleistung von der persönlichen Einkommensteuererklärung abgezogen werden. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, diese als Werbungskosten für die Erzielung von Mieten und Pachten anzusetzen. Somit sinkt die Steuerlast für eingenommene und versteuerungspflichtige Miet- und Pachteinnahmen.

 

Arbeiten im EU-Ausland

Besitzt man ein Ferienhaus in Italien oder eine Wochenendwohnung in Paris, kann man Handwerkerkosten, die dort anfallen, ebenfalls von der Steuer absetzen. Auch hier sind natürlich eine korrekt ausgestellte Rechnung und die Zahlung per Überweisung unabdingbar.

Die Möglichkeiten bezüglich der Angabe von Handwerkerkosten bei der Einkommensteuererklärung sind also sehr vielfältig. Die Chancen auf eine Anerkennung stehen somit nicht schlecht, wenn die beschriebenen Regeln beachtet werden.