Was muss ich unternehmen, wenn ich Mängel in der Arbeit des Handwerkers feststelle?

 

Sofern Sie nach erfolgter Abnahme einen Mangel in der vom Handwerker verrichteten Arbeit feststellen, können Sie von diesem Nachbesserung verlangen. Nachbesserung heißt, dass der Handwerker versuchen muss, diesen Mangel zu beseitigen. Dabei hat der Handwerker das Wahlrecht, entweder zu reparieren oder die Arbeit komplett neu zu erledigen. Der Handwerker muss entscheiden, welches die sinnvollere Methode ist.

 

Wie oft darf der Handwerker nachbessern?

 

In der Regel hat der Handwerker das Recht, ein bis zwei mal sein Werk nachzubessern. Die genaue Anzahl ist gesetzlich nicht geregelt, es kommt daher immer auf den Einzelfall an. Ist abzusehen, dass bereits nach einmaligem Reparaturversuch trotz aller Bemühungen des Handwerkers kein funktionsfähiges Werk herzustellen ist, so gilt der Nachbesserungsversuch schon nach einer einzigen Reparatur als fehlgeschlagen. Der Kunde muss in diesem Fall keinen zweiten Versuch akzeptieren. Ist es aber so, dass ein zweiter Reparaturversuch des Handwerkers evtl. doch noch zum gewünschten Erfolg führen könnte, so muss der Kunde einen zweiten Versuch akzeptieren.

 

Was soll ich tun, um den Handwerker zur Nachbesserung aufzufordern?

 

Sinnvoll ist die folgende Vorgehensweise: Sobald Sie einen Mangel entdeckt haben, fordern Sie den Handwerker zunächst mündlich (telefonisch) oder per E-Mail auf, sein Werk nachzubessern. Kommt der Handwerker dem nicht nach, so fordern Sie ihn schriftlich per Einschreiben mit Rückschein auf und setzen Sie ihm eine zweiwöchige Frist zum Tätigwerden. Unternimmt der Handwerker daraufhin einen Reparaturversuch, scheitert aber dabei, so setzen Sie Ihm erneut schriftlich per Einschreiben mit Rückschein eine zweiwöchige Frist zum Nachbessern. Gelingt es dem Handwerker wieder nicht, den Mangel zu beheben, so sind Sie nicht dazu verpflichtet, ihn erneut zum Nachbessern aufzufordern.

 

Was ist, wenn die Nachbesserung misslingt?

 

Hat es der Handwerker nach zwei Reparaturversuchen noch immer nicht geschafft, den Mangel zu beseitigen, obwohl Sie Ihn hierzu schriftlich per Einschreiben mit Rückschein und unter Fristsetzung dazu aufgefordert haben, so können Sie als Kunde Ihr Recht zum Rücktritt oder zur Minderung des Preises nutzen.

 

Im Falle eines Rücktritts erhalten Sie den bereits bezahlten Rechnungsbetrag zurück. Der Handwerker erhält das von ihm eingesetzte Material zurück, bzw. sogar das gesamte Werk, falls das technisch und tatsächlich möglich ist.

 

Bei der Minderung können Sie den Endpreis im angemessenen Verhältnis herabsetzen. Das heißt, Sie müssen nur den Preis bezahlen, den das Werk wert ist, inklusive des noch immer vorhandenen Mangels.

 

Wie erkläre ich den Rücktritt bzw. die Minderung?

 

Nachdem Sie dem Handwerker ein oder zwei mal die Chance gegeben haben, sein Werk nachzubessern, dies ihm aber nicht gelungen ist, so können Sie entweder den Rücktritt erklären oder eine Minderung des Endpreises vornehmen. Die Erklärung sollte schriftlich per Einschreiben mit Rückschein geschehen, um den Zugang Ihres Schreibens nachweisen zu können. Erklären Sie darin Ihren Rücktritt oder die Minderung und geben noch einmal kurz die Begründung dafür an. Benennen Sie im selben Schreiben Ihre Bankverbindung und die Bitte um Rücküberweisung der bereits bezahlten Beträge. Setzen Sie hierzu eine Frist von drei Wochen ab Zugang des Briefes. 

 

Mit Zugang der Rücktrittserklärung ist der Rücktritt rechtlich wirksam. Es kommt nicht darauf an, ob der Handwerker den Rücktritt akzeptiert oder nicht. Er muss ihn akzeptieren.

 

Wenn Sie statt des Rücktritts lieber eine Minderung des Endpreises wünschen, so teilen Sie das ebenfalls per Einschreiben mit Rückschein dem Handwerksbetrieb mit. Sie müssen einen genauen Minderungsbetrag festlegen, um den der Preis herabgesetzt werden soll. Das ist für den technischen Laien oftmals schwierig zu berechnen. Versuchen Sie abzuschätzen, was das Endprodukt bzw. was die ausgeführten Arbeiten mit dem immer noch vorhandenen Mangel für einen Wert haben und setzen Sie die Differenz als Minderungsbetrag fest.

 

Versuchen Sie evtl. über das Internet Informationen einzuholen, welchen Wert das Produkt noch hat, bzw. gehen Sie in einen Bauhandwerkermarkt und fragen dort kurz einen Fachmann, welcher Minderungsbetrag angemessen ist. Setzen Sie diesen jedoch nicht zu hoch an, es muss ein realistischer und angemessener Betrag sein. In Ihrem Schreiben setzen Sie eine Frist von zwei Wochen ab Zugang und teilen dem Handwerksbetrieb mit, dass Sie um Rücküberweisung des zuviel bezahlten Betrages auf Ihre angegebene Bankverbindung bitten. Ebenso wie die Rücktrittserklärung ist auch die Minderung mit Zugang Ihres Schreibens bei der Handwerksfirma rechtlich wirksam. 

 

Darf ich den Mangel auch selbst ausbessern bzw. eine andere Handwerksfirma mit der Ausbesserung beauftragen?

 

Ja, die Beauftragung einer anderen Handwerksfirma ist dann möglich, nachdem Ihr Handwerker zwei Nachbesserungschancen hatte und es ihm nicht gelungen ist, den Fehler auszubessern. In diesem Fall haben Sie das Recht, eine andere Firma mit der Ausbesserung zu beauftragen und die dadurch entstandenen Kosten dem ursprünglich tätigen Handwerksbetrieb in Rechnung zu stellen. Genauso können Sie selbst Ausbesserungsarbeiten vornehmen und die dabei angefallenen Kosten dem Handwerker in Rechnung stellen. Wichtig ist, genau wie bei Rücktritt und Minderung, dass Sie zuvor Ihrem Handwerker schriftlich per Einschreiben eine angemessene Frist gesetzt haben, damit dieser die Möglichkeit hatte, den Mangel zu beseitigen.

 

Darf ich Schadensersatz vom Handwerker verlangen?

 

Sie haben dann einen Anspruch auf Ersatz eines entstandenen Schadens, wenn dieser Schaden konkret in einem Eurobetrag bezifferbar ist und der Handwerker schuldhaft gehandelt hat, damit dieser Schaden entstehen konnte. Schuldhaft handeln heißt, der Handwerker hat entweder fahrlässig oder sogar vorsätzlich (also willentlich) den Schaden bei Ihnen herbeigeführt. Die Frage, ob ein Anspruch auf Schadensersatz tatsächlich entstanden ist, kann nur für jeden Einzelfall beantwortet werden, eine allgemeine Aussage ist an dieser Stelle nicht pauschal möglich.

 

Wie lange kann der Kunde seine Gewährleistungsansprüche nutzen?

 

Die Frist bei Mängeln beträgt zwei Jahre und beginnt am Tag nach der Abnahme. Bei Bauwerken gilt eine längere Frist, hier hat der Kunde fünf Jahre Zeit, die Fehler zu reklamieren. Es ist dabei egal, ob es sich um ein neu errichtetes Bauwerk handelt oder ob lediglich ein Umbau vorgenommen wurde. Die fünfjährige Verjährungsfrist gilt auch dann, wenn an einem Haus eine Renovierungsmaßnahme vorgenommen wird, die fest und unbeweglich mit dem Haus verbunden ist, beispielsweise das Dach, die Heizungsanlage, Decken, Fußböden etc. Reine Reparaturleistungen, Ausbesserungen oder Instandhaltungen unterliegen jedoch der zweijährigen Verjährungsfrist. Entscheidend ist immer die Frage, ob die Arbeiten dem einer Neuherstellung vergleichbar sind (dann gelten die fünf Jahre Verjährungsfrist) oder ob es sich lediglich um Ausbesserungen handelt (dann gelten die zwei Jahre Verjährungsfrist).

 

Darf der Handwerker die Gewährleistungsrechte des Kunden (Nachbesserung, Rücktritt, Minderung) ausschließen?

 

Ja, ein solcher Ausschluss ist möglich, wenn der Kunde dieser Vereinbarung zustimmt. Ein seriöser Handwerksbetrieb nimmt einen derartigen Ausschluss nicht vor. Sollte der von Ihnen beauftragte Handwerksbetrieb eine solche Vereinbarung wünschen, so beauftragen Sie besser einen anderen Handwerker. Selbst wenn ein solcher Ausschluss der Gewährleistungsrechte vorgenommen wurde, so ist dieser nicht wirksam, wenn der Handwerker einen Mangel arglistig verschwiegen hat oder wenn der Handwerker dem Kunden eine Garantie für die Beschaffenheit seines Werkes abgegeben hat.